Artikel im Trierischen Volksfreund vom 13.04.2009

Nachdenken über Öffnung der Fußgängerzone

Darüber, ob das Zukleben der Schaufensterscheiben in Idar tatsächlich eine gute Idee der Einzelhändler war, gehen die Meinungen auseinander. Auf jeden Fall hat die Aktion Diskussionen in Gang gebracht - möglicherweise sogar mit konkreten Folgen.

Idar-Oberstein/Morbach. (jst) Rund 50 Personen waren zu einer Gesprächsrunde von Einzelhändlern aus Idar und Mitgliedern von Stadtrat und Verwaltung gekommen. In ihrem Mittelpunkt stand eine mögliche Öffnung der Fußgängerzone. Dazu hatte man Einzelhandelsvertreter aus Simmern und Gerolstein eingeladen, wo man diesen Schritt auch erwägt oder schon verwirklicht hat. Ebenfalls berichtet wurde über Erfahrungen aus Morbach. Der dortige "Erbach-Parc", ein Zentrum für Finanz- und Gesundheitsdienstleistungen, wird vom Arbeitskreis Idar als mögliches Vorbild für einen "Magneten" in Idar angesehen. Bei der Begrüßung erklärte Oberbürgermeister Bruno Zimmer, der die Sitzung leitete, dass nach dem derzeitigen Sachstand die Umwandlung der Idarer Fußgängerzone in eine verkehrsberuhigte Zone möglich sei, ohne dass deswegen Fördergelder zurückgezahlt werden müssten. Allerdings gebe es keine Zuschüsse für einen neuerlichen Umbau.

Eine Überprüfung der Fußgängerzone habe ergeben, dass der Untergrund zur Freigabe für den Fahrzeugverkehr geeignet sei, dass man aber vermutlich die Abdeckung erneuern müsse. Mächtig Rückenwind für eine Öffnung der Fußgängerzone bekamen die Befürworter von Mike Pizzulli aus Gerolstein, dem Vorsitzenden des dortigen Gewerbevereins.

Der Gastronom schilderte die Erfahrungen aus dem Eifelstädtchen, wo man die rund 20 Jahre alte Fußgängerzone 2006 zunächst probeweise und im vergangenen Jahr dann endgültig in eine verkehrsberuhigte Einbahnstraße umgewandelt hat. "Seitdem ist dort wieder Leben, der Leerstand bei den Geschäften, von dem die Hälfte der Ladenlokale betroffen war, hat sich um 50 Prozent verringert", zog Pizzulli eine durchweg positive Bilanz.

Weniger Vandalismus durch Belebung

Mit der Belebung hätten sich auch andere Probleme deutlich reduziert. So sei etwa der Vandalismus deutlich zurückgegangen.

Mit der Öffnung habe man über Markierungen rund 35 Kurzparkplätze ausgewiesen, bei denen die Einhaltung der maximal halbstündigen Parkdauer strikt überwacht werde. Diese Maßnahme habe die Kundenfrequenz deutlich erhöht und inzwischen zu etlichen Neuinvestitionen geführt.

Auch in Simmern strebe man eine Öffnung der Fußgängerzone an, berichtete Jeanette Messerich, die Vorsitzende von "Simmern attraktiv". Über den "Erbach-Parc" in Morbach, ein in einer ehemaligen Lederfabrik untergebrachtes Zentrum für Gesundheits- und Finanzdienstleistungen, berichtete Ralf-Christian Kümmel, Initiator und Betreiber des Projektes. Jürgen H. Schneider, Sprecher des AK Idar, hatte den Betreiber einer Vermögensberatungsagentur eingeladen, weil er in dessen Projekt ein mögliches Vorbild zur Belebung Idars sieht.

Vor allem aber kritisierte Kümmel sehr deutlich die fatalistische Haltung vieler Geschäftsleute. Der Einzelhandel müsse sich umstellen, mit Qualität, Beratung, Service und Freundlichkeit habe er nicht nur eine Chance gegen die grüne Wiese, sondern diese werde geradezu zur Empfehlung für den Einzelhändler.

Quelle: Trierischer Volksfreund
http://www.volksfreund.de/totallokal/hunsrueck/aktuell/Heute-in-der-Hunsrueck-Zeitung-Idar-Oberstein-Morbach-Innenstadt-Fu-223-g-228-ngerzone-214-ffnung-der-Fu-223-g-228-ngerzone;art779,2042330

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