Artikel im Trierischen Volksfreund vom 18.09.2011

Letzte Rettung für Europameister

Der Morbacher Jochen Biernat ist Spezialist für Hufkrankheiten. In seiner Reha-Klinik in Oberscheidweiler werden Pferde aus ganz Deutschland geheilt, die Tierärzte bereits einschläfern wollten. Jährlich starten bei Biernat 36 Interessenten eine Ausbildung zum Huforthopäden.

Jochen Biernat Jochen Biernat

Morbach/Oberscheidweiler. Ein Pferdehuf muss viel aushalten. Denn je nach Rasse wiegt das Reittier bis zu 600 Kilogramm. Wenn ein Pferd galoppiert, landet es auf einem Bein. "Dann kann die Belastung auf dem Huf 2000 Kilogramm betragen", sagt Jochen Biernat, Huforthopäde aus Morbach. Dabei ist deren Gesundheit für Pferde lebenswichtig. "Wenn ein Huf nicht funktioniert, leidet das ganze Tier", sagt Biernat. Das sei vergleichbar mit einem eingewachsenen Zehennagel oder schlecht sitzenden Schuhen beim Menschen. Der Körper versucht, die Fehler auszugleichen. Schief und einseitig abgenutzte Hufe haben so falsche Stellungen der Pferdebeine und weitere Beschwerden zur Folge, die sich oft erst nach Jahren bemerkbar machen.

Der erste Weg führt für viele Pferdebesitzer zum Tierarzt. Nur verfügen diese laut Biernat über zu wenige Kenntnisse bei Krankheiten von Hufen. "Deshalb behandeln Tierärzte häufig zwar Symptome, aber nicht die Ursachen", sagt er. Biernats Heilmethode zielt auf die direkte Arbeit an Hufen. Am nachwachsenden Horn wird geraspelt und verjüngt, um die Folgen ungleichmäßiger Abnutzung auszugleichen, bis die kranken Stellen ausgewachsen sind.

Gravierende Fälle werden in der Reha-Klinik für hufkranke Pferde in Oberscheidweiler gepflegt. "Dort behandeln wir Pferde aus ganz Deutschland und dem umliegenden Ausland", sagt Biernat. Oftmals seien dies Tiere, die bereits eine Odyssee bei Tierärzten und Tierkliniken absolviert hätten. Ein mehrere Monate dauernder Aufenthalt in der Reha-Klinik sei für diese die letzte Chance. Mit Erfolg: "Rund 90 Prozent der 15 Tiere, die wir dort jährlich behandeln, können wir heilen", sagt Biernat. Darunter sind auch Pferde gewesen, die Europameisterschaften und Vizeweltmeisterschaften gewonnen haben, oder Privattiere von namhaften Pferdetrainern.

Biernat ist per Zufall zur Huf-orthopädie gekommen. Der gelernte Bergmann, der aus dem Ruhrgebiet stammt, hatte als Steckenpferd eine kleine Pferdezucht mit drei Stuten begonnen und befasste sich infolgedessen mit Hufen. Eine tierärztliche Ausbildung hat der Autodidakt nicht genossen: "Alles, was ich über Pferde und Hufe weiß, habe ich mir selbst beigebracht", sagt er.

"Wer heilt, hat recht"

Inzwischen arbeitet Biernat nur noch ausnahmsweise selbst am Huf. Der 71-Jährige hat sich mit einem Team von 16 Mitarbeitern auf die Ausbildung von Huforthopäden nach der "Methode Jochen Biernat" verlegt. Seit elf Jahren beginnen jährlich 36 Interessierte an den Standorten Morbach und Aachen die zweijährige Ausbildung und reisen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Österreich oder Spanien an. Die Morbacher Teilnehmer nutzen die Reha-Station in Oberscheidweiler für die praktische Ausbildung am Tier.

"Durch unseren guten Ruf und Weiterempfehlungen benötigen wir keine Werbung für unsere Ausbildung", sagt Biernat.

Viele Tierärzte lehnen seine Heilmethoden und Konzepte ab, da sie nicht der tierärztlichen Kunst entsprechen. Den Orthopäden berührt dies wenig: "Wer heilt, hat recht", sagt er.

Ehemalige Schüler von ihm wollten dagegen von seinem guten Ruf profitieren. "Ohne mein Einverständnis haben sie mein Logo verwendet", sagt Biernat. Erst im August hat ihm der Bundesgerichtshof in Karlsruhe in letzter Instanz recht gegeben. Das geschützte Logo ist seinen Franchisenehmern vorbehalten, die dafür Fortbildungen absolvieren und sich nach seinen Lehrmethoden richten müssen. "Diese haben einen Ausweis, in dem mein Name steht. Deshalb dulde ich von meinen Franchisenehmern keine Heilmethoden, die nicht mit mir abgestimmt sind", sagt er.

Weitere Informationen zum Deutschen Institut für Huforthopädie gibt es im Internet unter www.difho.de

Quelle: Trierischer Volksfreund
http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/hunsrueck/aktuell/Heute-in-der-Hunsrueck-Zeitung-Letzte-Rettung-fuer-Europameister;art779,2910869

[zurück zur Übersicht]